Quäker – die religiöse Gesellschaft der Freunde

„Gewalt unterwirft, nur Liebe gewinnt den Menschen“ schrieb William Penn, Gründervater der „Gesellschaft der Freunde“, später auch Quäker genannt, und setzte damit einen bis heute gültigen Rahmen für Denken und Handeln der „Freunde“. Denn der Kampf gegen Krieg und Gewalt und die Liebe zu den Menschen waren entscheidend für ihre Arbeit seither: Vom Ende der Sklaverei, für das die Quäker bereits seit den 1680er Jahren eintraten, bis zur Forderung der Gleichstellung von Mann und Frau, waren sie stets getrieben von zwei Dingen: Dem unbedingten Glauben an das „Licht in jedem Menschen“ und dem Engagement gegen jede Form von Gewalt.

 

Auf www.quaeker.org finden Sie ausführliche Informationen zum historischen und theologischen Hintergrund der Quäker.  

Die Überzeugung der Quäker

Die Quäker fühlen sich der Gewaltfreiheit in Gedanken, Worten und Taten verpflichtet. Sie setzen sich ein

für die Ächtung von Kriegen

für die Förderung friedlicher Konfliktlösungen

für Menschenrechte

für wirtschaftliche Gerechtigkeit

Sie stehen zudem in einer langen Tradition des praktischen Engagements für Menschen in Not. Sie tun dies nicht aus Mitleid, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass niemand in Armut leben muss und alle Menschen gleichermaßen das Recht auf Frieden, Sicherheit, Bildung, Gesundheit und die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit haben.

 
Die Quäker verstehen sich als Anwalt der Menschen, deren Stimme nicht gehört wird. Das Ziel ihres Engagements ist eine internationale Ordnung, in der alle Menschen in Würde, Sicherheit und Freiheit leben können und Unterdrückung und Ausbeutung überwunden sind.

Aus dem Friedenszeugnis der Quäker 1661

George Fox

Aus dem Friedenszeugnis
der Quäker 1661


Allen Krieg und Streit sowie der Kampf mit verletzenden Waffen, gleich zu welchem Zweck und unter welchem Vorwand, lehnen wir entschieden ab; dies ist unser Zeugnis für die ganze Welt. Der Geist Christi, von dem wir geführt werden, ist nicht wandelbar, so dass er uns einmal von etwas als schlecht abhält und uns ein anderes Mal gebietet, es doch zu tun; wir wissen sicher und bezeugen es der Welt, dass der Geist Christi, der uns zur Wahrheit weist, uns nie veranlassen wird, gegen irgendjemanden mit verletzenden Waffen zu kämpfen – nicht für sein Reich und auch nicht für die Reiche dieser Welt … Unsere Waffen sind geistig und nicht materiell. Unsere Schwerter sind zerbrochen zu Pflugscharen und unsere Speere zu Sicheln, wie es prophezeit worden ist. Daher können wir nicht länger Krieg erlernen, noch uns mit verletzenden Waffen wehren (Micha, 4,3). (…)

 

A declaration from the people called Quakers presented to the King
(Deutsche Übersetzung 1984)

Hilfe mit Tradition


Schon früh traten die Quäker für die Beseitigung sozialer Missstände ein. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts beteiligten sie sich maßgeblich an den Gefängnisreformen in England. Hilfsaktionen für die Zivilbevölkerung gab es auch schon nach den Napoleonischen Kriegen und während des deutsch-französischen Kriegs 1870/71. Für ihr großes Engagement in Europa nach den beiden Weltkriegen erhielten die Quäker 1947 den Friedensnobelpreis.

 

Doch die Quäker widmeten sich nicht nur der materiellen Not. Besonders ihre geistige Unterstützung, ihr offenes Ohr, ihre Bereitschaft sich zu engagieren,  ohne nach Freund und Feind zu fragen, machte den Menschen Mut und gab ihnen neue Hoffnung. Ihre Bereitschaft, an allen Brennpunkten der Not zu helfen, unabhängig von Nationalität, religiösem Bekenntnis und politischer Einstellung, ist bis heute geblieben.

Leistungen der Quäker in Deutschland


Das Engagement der Quäker in Deutschland hat Tradition. In den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg war die von amerikanischen und britischen Quäkern organisierte „Quäkerspeisung“ für Millionen deutscher Kinder eine rettende humanitäre Großtat. Darüber hinaus halfen die Quäker in den Jahren des Terrors und der Menschenvernichtung von 1933 bis 1945 zahllosen Bedrängten, Bedrohten und Verfolgten, der Diktatur und dem Rassenwahn zu entfliehen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörten wiederum Quäker aus Großbritannien und den USA zu den Ersten, die in das weithin zerstörte, hungernde und frierende Deutschland kamen, um die alltägliche Not der Besiegten zu lindern.

 

Bis heute verbinden viele Deutsche die Schulspeisung (Rosinenbrötchen, Kakao, Haferbrei) mit dem Wort „Quäker“. Viele lernten die Quäker in der Nachkriegszeit als Helfer für Flüchtlinge, Vertriebene oder Heimkehrer kennen. Andere profitierten als Jugendliche oder Studierende von den Quäker-Nachbarschaftsheimen und Studierzentren oder vom Schulverbindungsdienst.

 

Nicht nur die materielle Hilfe der Quäker, sondern auch ihre geistige Unterstützung, ihr offenes Ohr, ihre Bereitschaft, sich zu engagieren, ohne nach Freund oder Feind zu fragen, machten den Menschen im Nachkriegsdeutschland Mut und gaben ihnen neue Hoffnung.

 

All dies entsprang nicht einer besonderen Vorliebe der Quäker für Deutschland. Es war nur die Konsequenz ihrer vorbehaltlosen Bereitschaft, an allen Brennpunkten der Not Menschen zu helfen, unabhängig von Herkunft, Nationalität, Geschlecht, von religiösem Bekenntnis und politischer Einstellung. Dies ist bis heute so.

Beispiele des Engagements

Gründung der Quäker-Hilfe Stiftung

Gründung der Quäker-Hilfe

Widerstand gegen den Vietnamkrieg

Beraterstatus bei den Vereinten Nationen

Für Menschenrechte, Frieden, Gerechtigkeit

Auszeichnung mit Friedensnobelpreis für
humanitäre Hilfe nach Zweitem Weltkrieg

Schulspeisungen für bis zu 1 Million Kinder

10.000 jüdische Kinder gerettet. Emigrations-
Hilfe für jüdische Familien und Verfolgte

Hilfe für Zivilbevölkerung nach erstem Weltkrieg

Über die Quäker

Interview mit Annelore und Hans Ullrich Zschirner