Haiti - die Hilfe muss weitergehen!
Nach dem Erdbeben: neue Hoffnung?
Schon seit vielen Jahren sind die Quäker in Haiti engagiert. Nach dem schweren Erdbeben im Januar 2010 waren sie zur Stelle, um die Ernährung und medizinische Versorgung der Erdbebenopfer zu gewährleisten. In den Flüchtlingslagern Leogane und Martissant halfen sie den Menschen, die oft alles verloren hatten, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Dazu gehörten Maßnahmen wie z.B. die Ausbildung von Ehrenamtlichen für die Choleraprävention und die Vermittlung von Fertigkeiten für Kleingewerbe. Jetzt leeren sich die Lager allmählich. Die Menschen kehren in ihre Wohngebiete zurück und versuchen, ihr Leben wieder aufzubauen. Doch dabei brauchen sie weiterhin Hilfe: Haiti ist ein Land mit enormen Problemen. Die Armutsrate ist hoch, ganze Stadtviertel liegen noch in Ruinen. Viele Menschen leben nach wie vor in behelfsmäßigen Hütten und haben kaum Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Immer wieder bricht Gewalt aus, auch ein Zeichen der Perspektivlosigkeit gerade der jüngeren Menschen.
Bildung: ein Grundstein für ein besseres Leben
Haiti erlangte im Jahr 1804 als erstes Land Lateinamerikas und der Karibik die Unabhängigkeit. Auch die Gesetzgebung für die Schulpflicht datiert bereit zurück in das Jahr 1860. Die Aufgabe, für die Bildung der Kinder zu sorgen, wurde jedoch schnell vom Staat an private Institutionen wie z.B. die katholische Kirche abgegeben. Seitdem wurde das Bildungssystem in Haiti immer mehr privatisiert.
Heute betreiben Kirchen und andere Organisation fast 90% der Schulen in Haiti. Da der Staat diese Schulen nur sehr unzureichend finanziert, müssen die Betreiber der Schulen von den Eltern Schulgeld erheben. Angesichts der enormen Armut in Haiti ist es kein Wunder, dass nur ca. 50% der Kinder und Jugendlichen überhaupt zur Schule gehen, und dass unter den Erwachsenen fast 60% Analphabeten sind. Unter diesen Umständen sind die Chancen, dass die Menschen in Haiti sich selbst aus Armut und Abhängigkeit befreien können, nur extrem niedrig.
Das schwere Erdbeben vom Januar 2010 hat die Situation noch verschlechtert. 1.300 Schulen wurden völlig zerstört. In den verbleibenden Schulen herrscht großer Platzmangel. Gleichzeitig fehlt es an ausgebildeten Lehrkräften. Jedes Jahr emigrieren viele Lehrer in Länder, die ihnen bessere Berufs- und Aufstiegschancen bieten.
Die Schulbildung in Haiti folgt immer noch einem obsoleten französischen Modell, das auf Auswendiglernen beruht. Der Lehrplan ist kaum relevant für das Leben und der Kinder und insbesondere für die Berufsaussichten der Jugendlichen. Jedes Jahr erreichen viele Kinder die Klassenziele nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass viele von ihnen unter Mangelernährung leiden und häufig krank sind. Körperliche Strafen werden von vielen Lehrern angewandt, um die Schüler und Schülerinnen zu disziplinieren. Dabei reflektiert die Gewalt in den Schulen lediglich die hohe Gewaltbereitschaft in den Familien und in der Gesellschaft im Allgemeinen.
Chancen für die Jugend von Haiti
Doch auch in Haiti gibt es Menschen, die sich nach Kräften bemühen, Änderungen zum Besseren herbeizuführen. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule St Charles Borromée in La Plaine, einem verarmten Stadtteil der Hauptstadt Port-au-Prince, gehören zu den Menschen, die sich für eine bessere Zukunft für die ihnen anvertrauten Schüler und Schülerinnen engagieren wollen. In der von Dominikanerinnen geleiteten Schule gibt es z.B. jeden Tag ein warmes Mittagessen für die Kinder - für viele von ihnen die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Jetzt will die Schulleitung ihre Schule zu einem Modell für gute Bildung und Ausbildung für die Menschen in Haiti machen - mit der Hilfe der Quäker.
Lernen für das Leben
Die Quäker bieten Fortbildungen für die Lehrer und Lehrerinnen an. Hier lernen sie, ihren Unterricht kindgerecht und relevant zu gestalten. Die Quäker vermitteln den Lehrkräften die Fertigkeiten der positiven Disziplin und der gewaltfreien Konfliktbearbeitung und helfen ihnen so, eine Atmosphäre des Vertrauens und des konstruktiven Lernens in ihren Klassenräumen zu schaffen. Für die älteren Schüler und Schülerinnen sowie für interessierte Erwachsene führen die Quäker berufsvorbereitende Kurse durch. Schulungen in Technik und Handwerk vermitteln den Jugendlichen die notwendigen Fertigkeiten für Erwerbsarbeit oder Kleingewerbe.

Haiti: Jugendliche brauchen Perspektiven!
Eine Schule für das ganze Viertel
Die Schule St. Charles Borromée liegt im Stadtviertel La Plaine. Auch hier wurde durch das Erdbeben viel zerstört. Die Menschen in La Plaine leben in großer Armut in unzureichenden Unterkünften und ohne sauberes Trinkwasser. Viele der Erdbebenopfer müssen immer noch in behelfsmäßigen Hütten ausharren. Arbeitsmöglichkeiten gibt es kaum. Die einzige Chance der Menschen in La Plaine, ein kleines Einkommen zu verdienen, ist oft das Kleingewerbe. Viele der Erwachsenen haben selber nur eine sehr unzureichende Schulbildung erhalten und können weder richtig lesen, schreiben oder rechnen - Fertigkeiten, die sie für den erfolgreichen Aufbau und Betrieb von Kleingewerbe dringend brauchen. Deswegen bietet die Schule St. Charles Borromée Abendkurse für Erwachsene zu Alphabetisierung und Grundrechenfertigkeiten an. So sind die Eltern auch letztendlich besser in der Lage, die Schulbildung der eigenen Kinder positiv zu beeinflussen und aus dem Teufelskreis des Unwissens und der Armut auszubrechen.
Aufbau der Gemeinschaft durch Kreativität und Spiel
In La Plaine, wie auch im restlichen Haiti, gibt es kaum Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Die Folgen sind, dass schon die Kinder sich in Gangs zusammenschließen, auf den Straßen herumziehen und oft in die Kriminalität sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch abrutschen. Eine sinnvolle Freizeitgestaltung für die jungen Menschen in La Plaine ist daher nicht unnötiger Luxus, sondern wichtig für den Aufbau der Gemeinschaft und für die Entwicklung von Kreativität und konstruktiver Konfliktlösung sowie der Minderung von Gewalt und Kriminalität.
So geben z.B. die Quäker Jugendlichen die Chance, sich in ihrer Freizeit für die Verbesserung ihres eigenen Stadtviertels einzusetzen. Dazu gehören der Aufbau von Clubs und Vereinen wie z.B. Theaterclubs insbesondere für Kinder und junge Menschen, die Planung und Organisation von Feiern und Veranstaltungen sowie die Identifikation und Lösung konkreter Probleme im Stadtviertel. Die Schule dient dabei als Nachbarschaftsheim und Treffpunkt für die Menschen im ganzen Viertel.
569 Schüler und Schülerinnen im Alter zwischen 5 und 14 Jahren besuchen die Schule in La Plaine. Mit ihren Eltern und Familien sind es ca. insgesamt 2600 Menschen, die vom Projekt erreicht werden sollen. Gleichzeitig profitiert auch die ganze Gemeinschaft von La Plaine von den verschiedenen Projektmaßnahmen. Insgesamt haben die Quäker für das Projekt im Jahr 2012 90.000 Euro veranschlagt.
Für dieses wichtige Projekt der Quäker, welches sich in der Aufbauphase befindet, wird dringend finanzielle Unterstützung benötigt. Helfen Sie mit Ihrer Spende, den Menschen in Haiti neue Hoffnung zu geben. Jeder Euro hilft! Vielen Dank. Spenden-Link
Haiti: Zahlen und Fakten
(Quelle: Haiti Consolidated Appeal Process CAP 2011)
- Haiti hat eine sehr junge Bevölkerung; 39,9% der Menschen sind unter 14 Jahre alt. Das Durchschnittsalter ist 18,5 Jahre.
- Lebenserwartung: 54 Jahre.
- 50% der Bevölkerung gelten als mangelernährt.
- Weniger als 50% der Kinder besuchen eine Schule.
- Ca. 55% der Erwachsenen sind Analphabeten.
- Staatsausgaben für Bildung betragen lediglich 2% des Bruttoinlandprodukts.

Das Projekt der Quäker in Haiti: Jugendliche lernen das Baugewerbe




