Häufig gestellte Fragen
- Was glauben Quäker?
- Was geschieht in einer 'Stillen Andacht'?
- Sind alle Quäker Pazifisten?
- Was unterscheidet die Quäker von den Amish?
- Kann man mitarbeiten?
- Was tun Quäker, um die Welt zu 'verändern'?
- Arbeiten die Quäker mit den Regierungen vor Ort zusammen?
- Könnte ich Quäker werden?
- Wie wird man Quäker?
- Wann und wie helfen die Quäker?
- Wie ist der Lebensstil der Quäker?
- Missionieren die Quäker?
- Sind die Quäker Christen?
- Wo finde ich Quäker?
- Was glauben Quäker?
Quäker glauben an 'das Göttliche - oder den Geist, oder das von Gott - in allen Menschen', und daran, daß alle Menschen 'einmalig' und unersetzbar sind. Daraus leitet sich ab, daß eine Gewaltanwendung gegen andere nicht möglich ist, da man gegen 'das Göttliche' vorgehen würde. Die meisten Quäker versuchen auch, diesen Glaube konkret und alltäglich in Handeln umzusetzen: Sie fühlen sich der Wahrheit und der Einfachheit verpflichtet und achten die Würde jedes einzelnen. Wobei es inzwischen zwei Strömungen gibt: Die ursprüngliche, aus England kommende und auch heute noch in Europa vorherrschende Form, die weder Sakramente noch bezahlte Theologen kennt. Kernpunkt ist die 'Stille Andacht', in der jede/r, der sich vom 'inneren Licht' dazu berufen fühlt, aufstehen und etwas sagen kann. Die zweite Strömung hat sich im Zug der Kolonisierung des nord-amerikanischen Kontinents mehr in eine Art Freikirche entwickelt. Diese Variante von Quäker-Gemeinschaften missioniert auch, weshalb heute die zahlenmäßig größten Quäker-Gruppen in Kenia, den USA, und Bolivien anzufinden sind. Beschlüsse werden bei allen Quäker-Gemeinden einhellig gefaßt.
- Was geschieht in einer 'Stillen Andacht'?
Quäker glauben, daß jede/r direkt und ohne Vermittler mit 'dem von Gott in uns' Kontakt haben kann. Am deutlichsten wird das in der Andacht, in der Quäker in einer gemeinsamen Stille 'auf das innere Licht' hören. Bestenfalls wächst diese gemeinsame Stille in eine ungeheure Tiefe. Es kann aber auch nur ein Raum zu Abspannen von der Alltagshektik sein. Jede/r kann sich - ohne das vorher geplant zu haben - dazu bewegt fühlen, aufzustehen, und ein paar Sätze zu sagen. Es gibt Andachten, in denen niemand etwas sagt und solche, wo zu viele Beiträge eventuell stören. Bewegend ist, wenn ein Fremder etwas beiträgt, was genau in die eigene Stimmung paßt und womöglich weiter hilft. Andachten dauern üblicherweise eine Stunde lang. Quäker versuchen, zwischen Sonntag und Werktagen keinen Unterschied zu machen: Alle Kreatur, alles Werken ist teil der Schöpfung und damit 'heilig'. Aus Gründen der Praktikabilität finden Andachten aber üblicherweise am Sonntag Vormittag statt.
- Sind alle Quäker Pazifisten?
Quäker werden, obwohl sie keine 'Kirche' sind, als eine der historischen 'Friedenkirchen' bezeichnet, da sie schon 1690 ein schriftliches Zeugnis gegen den Kriegsdienst abgelegt haben: "Wir verweigern mit Nachdruck alle äußeren Kriege und kämpferischen Auseinandersetzungen, die mit Waffengewalt geführt werden, für welchen Zweck und unter welchem Vorwand auch immer, und dies ist unser Zeugnis für die ganze Welt." Trotzdem bezeichnen sich nicht alle Quäker als Pazifisten, da durch die direkte Beziehung zum 'inneren Licht' letztlich jede/r im Dialog mit dem 'Göttlichen in sich' klären muß, wie er zu einer Frage, auch zum Pazifismus steht. Die überwiegende Mehrzahl der Quäker jedoch sind darum bemüht, ohne Anwendung von Gewalt zu leben und sich wo möglich für die Verhinderung von Konflikten einzusetzen.
- Was unterscheidet die Quäker von den Amish?
Beide Religionsgemeinschaften haben protestantische Wurzeln, wobei die Amish großen Wert auf die wortwörtliche Auslegung der Bibel legen und daraus abgeleitet ein sehr traditionelles Leben unter Verzicht auf moderne Techniken wie Strom, Autos etc. leben. Auch die Quäker wollen ein Leben in Einfachheit leben, verschließen sich aber nicht den Entwicklungen. Die Amish werben nicht für ihren Lebensstil und bleiben unter sich. Die Quäker leiten aus ihrem Glauben an das Göttliche in jedem Menschen eine große Toleranz ab und handeln in der Überzeugung, daß alle Menschen die Möglichkeit haben müssen, ihre Fähigkeiten zu nutzen und ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Daraus resultiert ihr langjähriges großes soziales Engagement. Anders als die Amish engagieren sich Quäker ganz bewußt, auch in modernen Zeiten, in Wirtschaft und Politik um zu versuchen, der Ungerechtigkeit auf Erden entgegenzuwirken.
- Kann man mitarbeiten?
Die Quäker-Hilfe Stiftung (QHS) ist eine reine Förderstiftung deren Aufgabe es ist, Spenden und Zuschüsse einzuwerben. Die QHS unterstützt ausschließlich Projekte der beiden Quäkerhilfswerke, welche die Stiftung gegründet haben: Der Quäker-Hilfe e.V. (Bad Pyrmont, Deutschland) und AFSC (American Friends Service Committee, Philadelphia, USA). In den Projekten, die von den beiden Organisationen gefördert werden, ist praktisch ausschließlich einheimisches Personal tätig. Workcamp-Einsätze, vor allem für jüngere Menschen, werden z.B. von der Quaker Voluntary Action (Manchester) vermittelt. - Was tun Quäker, um die Welt zu 'verändern'?
Quäker engagieren sich für Frieden, Gerechtigkeit, Gerechtigkeit im Welthandel, Gefängnisreform - und das zum Teil schon seit Jahrhunderten: Von der Abschaffung der Sklaverei bis zur Gründung von amnesty international waren Quäker führend beteiligt. Die 'Quäker-Botschaften' (mit dem offiziellen Status von Nichtregierungsorganisationen) bei den Vereinten Nationen in Genf und New York, sowie bei der Europäischen Union in Brüssel versuchen, die 'Mächtigen der Welt' mit anderen Perspektiven zu konfrontieren ('speaking truth to power'), und haben auch hier (angesichts der kleinen Zahl von Mitgliedern) erstaunliche Erfolge verzeichnen können: Das Problem Minderjähriger in kriegerischen Auseinandersetzungen ('Kindersoldaten'), die Ächtung von Landminen, das Recht auf eigenes Saatgut sind aktuelle Themen, sind einige Themen, die auch dank der Arbeit der Quäker-Büros auf diplomatische Weise an die Öffentlichkeit gebracht wurden.
- Arbeiten die Quäker mit den Regierungen vor Ort zusammen?
Quäker glauben, daß in allen Menschen ein 'inneres Licht', ein 'Teil der Schöpfung', 'etwas Göttliches' steckt. Aus diesem Grund verbietet sich nicht nur Gewalt gegen andere Menschen, es ist auch offensichtlich, daß jede Person als Gegenüber, als Ansprechpartner ernst genommen wird. Gleichzeitig ist es eine alte Quäker Tradition, die 'Mächtigen' der Welt mit anderen Perspektiven (historisch hieß das: 'der Wahrheit') zu konfrontieren. Wobei im Einzelfall abgewogen werden muß, auf welcher Weise den Benachteiligten in einem Land am besten geholfen werden kann: Durch stille Diplomatie, hinter den Kulissen, oder durch öffentliches Bekanntmachen von Mißständen, in der Regel gemeinsam mit anderen Organisationen.
- Könnte ich Quäker werden?
Jeder Mensch kann Quäker werden. Quäker sind keine 'besonders guten oder netten Menschen'. Sie bemühen sich lediglich darum, sich auch im Alltag von ihren Überzeugungen leiten zu lassen. Das tun auch Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften, und wie diesen gelingt es auch Quäkern oft nicht, den eigenen Maßstäben gerecht zu werden. Hauptunterschied ist vermutlich, daß Quäker das 'Messen an den eigenen Maßstäben' als bilaterale Herausforderung zwischen sich und dem 'inneren Licht' ansehen, d.h. Quäkersein ist eine kontinuierliche Herausforderung, sich selbst und das eigene Handeln in Frage zu stellen. Viele Menschen zählen sich den Quäkern zugehörig, ohne offiziell beigetreten zu sein (Freunde der Freunde).
- Wie wird man Quäker?
Auf diese Frage gibt es zwei Antworten: Eine inhaltliche, und eine formale. Zunächst ist es eine Sache des Einzelnen, im Dialog mit dem 'inneren Licht', dem 'Göttlichen' in sich zu prüfen, ob ein der Schritt, Quäker zu werden, in der jeweiligen persönlichen Situation richtig und zeitgerecht ist. In jedem Fall ist die Teilnahme an örtlichen Andachtsversammlungen der Quäker empfehlenswert. Wenn auf dieser Basis der Wunsch zur Mitgliedschaft gestärkt ist, folgt formal ein Schreiben an die zuständige Quäker-Organisation (Jahresversammlung, Bezirksversammlung), in welchem der Wunsch zum Beitritt zum Ausdruck gebracht wird. Daraufhin erfolgt ein Gespräch zwischen dem potentiellen neuen Mitglied und zwei Vertreterinnen oder Vertretern der Religiösen Gesellschaft, in dem die Beweggründe nochmals gemeinsam beleuchtet werden. Es folgt eine Empfehlung an die Zuständige Quäker-Versammlung, und danach in der Regel die Aufnahme (in Deutschland ist die Religiöse Gesellschaft der Freunde als e.V. organisiert). Dies Suchprozeß kann schnell gehen oder lange dauern: Viele Menschen gehen jahrzehntelang regelmäßig zu Quäker-Andachten, ohne je beizutreten, weil es sich für sie in ihrer Situation 'nicht richtig' anfühlt. Andere warten wohl lange vergeblich darauf, gefragt zu werden ...
- Wann und wie helfen die Quäker?
Quäker engagieren sich dort, wo Menschen in Not und dringend auf Hilfe angewiesen sind, unabhängig von Religion, Herkunft oder politischer Überzeugung. So haben die Quäker den Menschen in Deutschland nach beiden Weltkriegen geholfen. Ende der Vierziger Jahre wurde aber in Deutschland immer weniger Hilfe benötigt. Die Menschen standen wieder auf eigenen Füßen. 1955 hieß es in einer Quäkerzeitschrift, man solle doch jetzt die Hilfe (zu diesem Zeitpunkt ging es v.a. um Flüchtlinge und Vertriebene) den Deutschen überlassen ... Die Quäker leisten aber nicht nur Soforthilfe. Zu ihren Prinzipien gehört es, die Menschen so lange zu unterstützen bis sie selbst in der Lage sind, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hände zu nehmen. Ein wichtiges Merkmal ist die Kombination von Hilfe für Menschen in Not mit dem Versuch, die Ursachen von Armut und Konflikten zu bekämpfen, z.B. durch den Versuch der Einflußnahme auf die 'Mächtigen dieser Welt' bei den Vereinten Nationen. Ein zentrales Element der Arbeit der Quäker ist die Friedensarbeit. Sie vermitteln zwischen verfeindeten Gruppen und ermöglichen den Dialog. Die Quäker versuchen im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten, Konflikte nicht eskalieren zu lassen, sondern zu ihrer friedlich Lösung beizutragen. Da wo Konflikte bestehen oder bestanden, helfen die Quäker den Menschen, Feindschaften zu überwinden. Sie wollen die Menschenrechte fördern und setzen sich für mehr Gerechtigkeit im Welthandel ein. Seit 1948 haben die Quäker beratenden Status bei den Vereinten Nationen.
- Wie ist der Lebensstil der Quäker?
Quäker bemühen sich, einfach zu leben, um die begrenzten Ressourcen der Umwelt nicht über die Maßen zu beanspruchen. Außerdem gibt es viele Freunde, die z.B. Suchtmittel (Alkohol, Tabak) völlig ablehnen. Bis ins 19. Jahrhundert war sogar mehrheitlich Tanzen und Singen verpönt, und Quäker trugen nur graue Kleider. Heute ist herrscht in diesen Fragen eine größere Offenheit: Schließlich ist Hauptmerkmal des Quäkertums, daß jede oder jeder für sich, im Dialog mit 'dem Göttlichen in sich' für sich entscheiden muß, ob z.B. der maßvolle Genuß von Alkohol in Ordnung ist oder nicht. Und auch früher gab es, z.B. unter den Quäker-Industriellen (Rowntree, Cadbury, ...) Menschen, die durchaus einen vergleichsweise luxuriösen Lebensstil hatten, die jedoch auch beispielhaft in der Fürsorge für ihre Arbeiter waren und deren Reichtum jedoch auch heute noch die materielle Basis für vielerlei Hilfsengagement der Quäker (vor allem in Großbritannien) liefert.
- Missionieren die Quäker?
Hier muß man zwischen den beiden Strömungen (siehe: 'Was glauben Quäker?') unterscheiden. Die traditionelle (europäische) Variante des Quäkertums ist dadurch gekennzeichnet, daß sich Freunde für das Bekämpfen sozialer Mißstände engagieren , ohne zu missionieren: Es zählt das persönliche Vorbild. Die neuere Strömung des Quäkertums, die in den USA entstanden ist und mehr einer Freikirche ähnelt, ist auch missionarisch tätig, weshalb heute weltweit Quäker-Gemeinschaften (speziell auch in Ostafrika und Bolivien) anzutreffen sind.
- Sind die Quäker Christen?
Die Quäker bezeichnen sich als eine Religiöse Gemeinschaft, deren historische Wurzeln in einer christlichen Reformbewegung in England im 17. Jahrhundert begründet sind. Ein Kernpunkt der damaligen Quäker war die Auflehnung gegen das Priestertum der anglikanischen Staatskirche: Jeder Mensch sei ohne 'professionelle Theologen' in der Lage, mit dem 'Göttlichen in sich' in Kontakt zu treten. Im Laufe der Zeit hat diese unmittelbare Verbundenheit mit dem "Göttlichen in uns dazu geführt, daß es innerhalb der Religiösen Gesellschaft sowohl Freunde gibt, die sich als Christen bezeichnen und an Jesus glauben, als auch Freunde, die als 'radikale Humanisten' die Existenz eines 'göttlichen Wesen' verneinen. Hinzu kommt, daß es in der Quäker-Andacht keine Liturgie gibt, kein Glaubensbekenntnis, und kein Taufsakrament. Aus diesen Gründen können Quäker im Ökumenischen Welt-Kirchenrat nicht Vollmitglied sein, wiewohl sie als äußerst 'ökumenische Glaubensgemeinschaft' die Entstehung dieses christlichen Dachverbands von Anfang an gefördert haben. Sie haben dort, sowie bei der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) auf allen Ebenen Beobachterstatus. Größere Teile der neueren Variante des Quäkertums (siehe 'Was glauben Quäker?') sehen sich selbst als christliche Gemeinschaft oder Kirche.
- Wo finde ich Quäker?
Sehen Sie hierzu bitte auf der Seite "Wo finde ich Quäker" nach.
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