Haiti: Perspektiven für junge Frauen und Männer
Jugendliche feiern den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung.
Nach sechs Monaten intensiver Arbeit im handwerklich-technischen Ausbildungsprogramm der Quäker feierten Jugendliche aus Martissant Ende 2011 ihre Abschlussfeier. 100 junge Frauen und Männer bestanden staatlich anerkannte Prüfungen und erhielten Urkunden in den Bereichen Klempnerei, Baugewerbe und Kühltechnik.
Der Weg zum erfolgreichen Abschluss war nicht leicht für viele der Jugendlichen. Eine von ihnen ist Myrlande Devallon, 21, die Beste ihrer Klasse im Baugewerbe und ein mögliches Vorbild für andere junge Frauen, ebenfalls Ausbildungen zu wählen, die sonst eher von Männern dominiert sind.
Myrlande war -aus verschiedenen Gründen- immer nur sporadisch zur Schule gegangen. Über ihr Leben vor der Ausbildung sagt sie: „Ich hatte nicht viel aus meinem Leben gemacht. Durch die Teilnahme am Ausbildungsprojekt konnte ich erst herausfinden, zu welchen Leistungen ich fähig bin."
Jetzt möchte Myrlande zurück in die Schule, um ihren höheren Schulabschluss nachzuholen und vielleicht sogar zur Universität zu gehen.
Bei der Abschussfeier wurden auch sechs der Ausbildungspaten geehrt, die den Jugendlichen während der Trainingszeit zur Seite standen und sie motivierten, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Dies ist schwer in Martissant, wie auch im Rest von Haiti. Viele Jugendliche müssen sich um jüngere Geschwister kümmern, während ihre Eltern auf Arbeitssuche sind, oder sie müssen selber Gelegenheitsjob annehmen, damit ihre Familien Tag für Tag überleben können. Die Ausbildungspaten motivierten die Jugendlichen durch Gruppenaktivitäten und tatkräftige Unterstützung, „dranzubleiben" und die Ausbildung erfolgreich zu absolvieren.
Jetzt helfen und begleiten die Ausbildungspaten die Jugendlichen, die ihre Abschlussprüfung bestanden haben, bei ihren Entscheidungen für die Zukunft: ob sie zurück zur Schule gehen, Arbeit suchen, oder sich selbstständig machen wollen.
Gemessen am restlichen Haiti, hat Martissant, ein sehr armer Stadtteil der Hauptstadt Port-au-Prince, eine besonders hohe Anzahl von Gewaltverbrechen und gewalttätigen Konflikten unter den Bewohnern. Das Programm der Quäker zielt darauf ab, Jugendlichen durch Ausbildungen Perspektiven zu eröffnen und gleichzeitig durch kulturelle und sportliche Aktivitäten den Gemeinschaftssinn zu stärken und Jugendbanden weniger attraktiv zu machen.
Die Erfahrungen, die die Quäker beim Ausbildungsprojekt in Martissant gesammelt haben, sollen jetzt in die neue Langzeitpartnerschaft der Quäker mit der Schule St. Charles de Borromee zur Anwendung kommen. Lesen Sie hier mehr über das neue Projekt der Quäker in Haiti: →Haiti - die Hilfe muss weitergehen!
Die Menschen in Haiti brauchen nach wie vor unsere Hilfe. Für die Projektausgaben insbesondere für Bildung und Ausbildung haben die Quäker für das Jahr 2012 90.000 Euro veranschlagt. Helfen Sie mit Ihrer Spende, den Menschen in Haiti neue Hoffnung zu geben. Jeder Euro hilft! Vielen Dank. Spenden-Link

Haiti: Eine Ausbildung im Baugewerbe schafft Perspektiven.
Haiti: Zahlen und Fakten
(Quelle: Haiti Consolidated Appeal Process CAP 2011)
- Haiti hat eine sehr junge Bevölkerung; 39,9% der Menschen sind unter 14 Jahre alt. Das Durchschnittsalter ist 18,5 Jahre.
- Lebenserwartung: 54 Jahre.
- 50% der Bevölkerung gelten als mangelernährt.
- Weniger als 50% der Kinder besuchen eine Schule.
- Ca. 55% der Erwachsenen sind Analphabeten.
- Staatsausgaben für Bildung betragen lediglich 2% des Bruttoinlandprodukts.
Vor zwei Jahren, im Januar 2010, wurden große Teile Haitis in einem schweren Erdbeben zerstört, tausende Menschen verloren ihr Leben, viele weitere ihre Wohnungen und Lebensgrundlage. Die Aufmerksamkeit der internationalen Medien ist längst anderswo, aber die Zustände auf Haiti sind immer noch katastrophal. Die Menschen auf Haiti brauchen nach wie vor Hilfe, um ihr Leben auf eigene Füße zu stellen. Deshalb sind die Quäker weiterhin in Haiti aktiv. Mittlerweile können die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Quäkerprojekts gute Erfolge verzeichnen, wie z.B. in ihrem Ausbildungsprojekt für Jugendliche in Martissant, einem Stadtteil von Port-au-Prince.




